Schritt 2: Aktiv Hören

Wir kommen jetzt zu jenem Schritt zurück, den Sie bereits in der einführenden Übung kennengelernt haben. Lassen Sie mich noch einmal die wichtigsten Punkte zusammenfassen. Dieser Schritt beinhaltet:

  1. Das Hören der Worte in Telugu, während Sie die deutsche Übersetzung lesen, und

  2. das Wiederholen dieses Schrittes, bis sie jedes Wort in Telugu verstehen. Der Schritt ist abgeschlossen, wenn Sie jedes einzelne Wort in Telugu mit geschlossenen Augen verstehen können, und eine klare Vorstellung von der Bedeutung haben.

Bitte nutzen Sie Ihre Fantasie so viel wie möglich während dieses Schrittes. Versuchen Sie sich die Gesichter vorzustellen, die Gefühle der Menschen, die Farben, den Geruch, was immer Ihnen in den Sinn kommt. Erinnern Sie sich: Der Schlüssel zum leichten Lernen ist das Herstellen von Verbindungen zwischen dem Neuen und dem Bekannten. Das, was Ihnen in dem Moment in den Sinn kommt, während Sie an das neue denken, ist genau das, woran Sie anknüpfen können. Man kann das nicht oft genug betonen. Brücken zu bauen ist nicht ein Spiel für Kinder oder Dummköpfe. Es ist die Art, wie unser Gehirn arbeitet.

Es gab eine Zeit in der Geschichte, in der abstraktes Denken als wichtiger angesehen wurde, als lebendige Erfahrung. Man sah die Fähigkeit der Abstraktion, des Extrahierens von allgemeinen Konzepten aus konkreten Erfahrungen, als die höhere Form der Intelligenz und versuchte nun, alles in Form von abstrakten Konzepten darzustellen. Das war die Zeit, in der alle Bilder und anschaulichen Darstellungen aus der wissenschaftlichen Literatur verschwanden. Aber diese Entwicklung verlief bald im Sand. Die moderne Wissenschaft ist sehr bemüht, die abstrakten Erkenntnisse auf möglichst einfache Weise zu beschreiben.

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Albert Einstein, Nobelpreisträger und Entdecker des Zusammenhangs zwischen Masse und Energie, schrieb 1934 in seinem Buch 'Philosophy of Science':

"It can scarcely be denied that the supreme goal of all theory is to make the irreducible basic elements as simple and as few as possible without having to surrender the adequate representation of a single datum of experience"

Das wird manchmal auch zitiert als: Alles so einfach wie möglich machen, aber nicht zu einfach.

Wenn sich also Einstein erlaubte, die unnötig komplizierten Dinge zu ignorieren, warum sollten wir dran festhalten?

Schritt 2

Nehmen Sie sich für diesen Schritt so viel Zeit, wie Sie brauchen. Sie können die Pause-Funktion ihres MP3-Players benutzen, um gewisse Phrasen länger nachwirken zu lassen. Es geht beim Lernen nicht nur um die Anzahl der Stunden, die sie aktiv mit dem Lerninhalt verbringen, sonder auch um die Pausen, in denen Sie das neu Gelernte einsinken lassen und dauerhaft integrieren.

Eine weitere sehr hilfreiche Funktion aller modernen MP3-Player ist die Möglichkeit, gewisse Sequenzen in einer Schleife immer wieder zu wiederholen. Bei vielen Geräten wird das als A-B-Funktion bezeichnet, wobei A den Anfang und B das Ende der Schleife markieren. Sie drücken einfach am Anfang der Sequenz, den A-Knopf, warten dann ab, bis das Ende der Sequenz erreicht ist, und drücken dann den B-Knopf. Diese Sequenz kann beliebig kurz sein, zum Beispiel ein einzelnes Wort, oder auch sehr lang, wie zum Beispiel mehrere Minuten. Das ist sehr nützlich, wenn Sie eine bestimmte Phrase herausarbeiten wollen, mit der Sie bisher vielleicht noch Schwierigkeiten hatten.

Lassen Sie mich noch einmal die Vorteile dieses Schrittes zusammenfassen:

  1. Nach Abschluss dieses Schrittes können wir alle Worte des Textes verstehen. Es macht also keinen Unterschied mehr, ob wir die Worte in Deutsch oder Telugu hören, wir verstehen jetzt beide Versionen. Das ist nicht nur ein intellektuelles Verstehen, sondern die Worte sind mit einer ganzen Reihe von Emotionen und Erfahrungen verknüpft. Alles das wurde in einer sehr kurzen Zeit mit minimalem Aufwand erreicht.

  2. Alle Worte wurden in einem sinnvollen Zusammenhang gelernt. So wie in anderen Sprachen haben die Worte in Telugu abhängig vom jeweiligen Zusammenhang oft unterschiedlichen Bedeutungen. Wenn wir die Worte also im Zusammenhang lernen, entwickeln wir sehr schnell ein natürliches Gefühl dafür, wie ein bestimmtes Wort verwendet wird, ohne uns abstrakte Regeln merken zu müssen.

  3. Es ist extrem motivierend, da wir von Anfang an den eigenen Fortschritt sehen und immer wieder ganz konkrete Phrasen verstehen können.

Dieser Fortschritt entfacht eine starke Eigendynamik, die uns beflügelt immer weiter zu lernen. Manche Menschen lernen später auch noch weitere Sprachen, einfach deshalb, weil es so leicht geht und so viel Spaß macht.

Aber bevor wir uns in eine neue Sprache stürzen, lassen Sie uns zunächst den 3. Schritt besprechen: Passiv Hören