Wie man das Telugu-Alphabet lernen kann

Lernen allgemein

Unser Gehirn arbeitet wie ein großes Netzwerk. Es ist eine riesige Struktur zum Verarbeiten von Erfahrungen, Gedanken und Emotionen. In diesem Netzwerk sind einzelne Gefühle, Bilder, Erfahrungen wie kleine Knoten und Assoziationen wie Pfade, die diese Knoten verbinden.

Über die Jahrtausende der Evolution der Menschheit wurde unser Gehirn auf die Verarbeitung der Erfahrungen, Gedanken und Gefühle hin optimiert, die für unser Überleben von Bedeutung sind. Es ist ein Meister im Verarbeiten von Impulsen aus unserem zentralen Nervensystem. Aber es ist sehr widerwillig im Aufnehmen von Informationen, die es für sinnlos erachtet. Und dafür gibt es einen guten Grund. Da wir ständig mit einer immensen Flut von Impulsen konfrontiert sind - immer Informationen, die in Echtzeit verarbeitet werden müssen - trennt unser Gehirn laufend das Wichtige vom Unwichtigen. Wir haben also über die Jahrtausende eine hohe Fertigkeit entwickelt, mit der wir in sehr kurzen Zeitspannen das herausfiltern, was für unser Leben wichtig ist. Das Meiste davon passiert unbewusst. Unser Unterbewusstsein ist also ein Meister im Ausblenden von Daten und Informationen, die es für wertlos, wenig interessant oder langweilig hält.

Das ist wichtig, wenn wir versuchen etwas sehr Abstraktes zu lernen, wie zum Beispiel das Telugu-Alphabet. Ohne sinnvollen Bezug zu den Symbolen wird diese Information von unserem Gehirn einfach verworfen.

Es gibt zwei wichtige Faktoren, die bestimmen, wie schnell und wie gut wir uns an etwas erinnern:

  1. Assoziationen: Ist das, was wir lernen wichtig oder interessant für uns? Macht es Freude? Bedeutet es etwas für unser Leben? Können wir damit etwas anfangen?
  2. Wiederholungen: Je mehr, umso besser erinnern wir uns. Unsere Gehirne sind Meister im Nachmachen.

Alles das ist weder neu noch revolutionär. Aber es ist wichtig sich daran zu erinnern, bevor wir endlos immer wieder einen bestimmten Buchstaben wiederholen, frustriert werden und schließlich aufgeben, weil wir denken wir hätten kein Talent für Sprachen. Wenn wir uns an etwas nicht erinnern können, dann einfach deshalb, weil wir nicht genug Verbindungen dazu haben, das ist alles. Ja, man kann das durch mehr Wiederholungen ausgleichen, das ist möglich. Wiederholungsübungen nutzen diesen Effekt. Aber es gibt einen leichteren Weg das gleiche Ziel zu erreichen, ein Weg, der Ihnen eine Menge Zeit sparen hilft und viel mehr Spaß macht. Lassen Sie mich anhand eines Beispiels zeigen, was ich meine...

 

Assoziationen

Nehmen wir diesen Buchstaben zum Beispiel:

la

Er wird 'la' ausgesprochen. Nun stellen Sie sich bitte die Frage:

Woran erinnert mich diese Form?

Was assoziiere ich mit der Form? Ich möchte diese neue Information mit etwas verbinden, das ich schon kenne, also was kommt mir ins Bewusstsein, wenn ich dieses Symbol sehe?

Sagen wir, ich sehe ein lachendes Gesicht, einen Smiley - etwa so:

smiley

Es kann sein, dass Sie etwa ganz anderes in diesem Symbol sehen - das ist perfekt. Bitte nutzen Sie, was immer Ihnen in den Sinn kommt. Sie müssen auf das aufbauen, was SIE bereits wissen. Es ist völlig egal, was ich oder irgendjemand sonst auf dieser Welt in diesem Zeichen sieht - IHR inneres Bild zählt.

Wenn sie mit diesem Symbol spielen, versuchen Sie bitte NICHT clever zu sein. Sein sie phantasievoll, kreativ, verrückt. Je kurioser, je mehr Gefühle, umso besser werden Sie sich später an die Geschichte erinnern.

Der nächste Schritt ist das Bild oder die Geschichten mit dem Klang zu verbinden. Das nennt man Brücke. In unserem Fall ist der Klang "la" mit dem Zeichen verbunden und die Brücke, die ich verwende, ist:

"Der Smiley lacht."

Jetzt habe ich eine Verbindung vom Zeichen ల zum Klang "la" indem ich die Brücke des Smileys verwende. Sehen Sie, wie das funktioniert?

Der Schritt ist simpel, aber es ist der Schlüssel für ein einfaches Lernen des Alphabets, also lassen Sie mich bitte wiederholen: Lernen bedeutet Verbindungen aufzubauen - mentale Brücken zwischen bestehendem Wissen und dem Neuen. In unserem Fall wollen wir Telugu-Skript lernen. Oder in anderen Worten: Wir wollen uns an bestimmte Symbole erinnern und sie mit einem gewissen Klang assoziieren. Unser Gehirn ist gebaut für das Verarbeiten von Erfahrungen, Gefühlen, Farben, Geschmack, Klang - Dinge, die in irgendeiner Weise für uns interessant sind. Und eine Liste von Telugu-Symbolen hat weder Klang, noch Farbe, oder Gefühl, oder Spaß... außer wir fügen es dazu! Und das ist der entscheidende Punkt. Wenn wir uns nicht an einen bestimmten Buchstaben erinnern können, sind wir nicht "dumm" oder "unfähig" - es fehlt uns nur ein besseres Bild, Gefühl oder irgendetwas, das in unserem Leben eine Bedeutung hat - etwas, was uns mehr berührt. Das ist alles.

Also: Hier sind noch einmal die beiden Schritte, die ich Ihnen für jeden neuen Buchstaben im Alphabet nahelegen möchte:

  1. Finden Sie ein Bild zum Symbol, und
  2. verbinden Sie dieses Bild mit dem Klang des Buchstabens in Form einer Geschichte

 

Wiederholungen

Kommen wir zu den Wiederholungen. Wir alle wissen, dass wir etwas nur oft genug wiederholen müssen, bis es schlussendlich irgendwann einmal hängen bleibt, auch wenn es totaler Blödsinn ist. Diese Art zu lernen wird manchmal in Wiederholungsübungen missbraucht. Aber es gibt auch eine sinnvolle Anwendung, lassen Sie mich an einem Beispiel zeigen, was ich meine.

Nehmen Sie die folgende Zahl: 3,1415. Klingt das in irgendeiner Weise sinnvoll für Sie? Vielleicht erkennen Sie die Zahl Pi, die mathematische Konstante zu Berechnung des Kreisumfangs. Wenn Sie nicht gerade in eine Schule gegangen sind, in der das besonders wichtig war, dann haben Sie wahrscheinlich keine besonderen Erinnerungen an diese ansonst völlig zufällige Zahl. Und doch ist es praktisch sicher, das Sie diese Zahl einmal im Laufe ihrer Schulzeit gelernt und mehrere hundert Beispiele damit gerechnet haben. Trotzdem erinnert sich kaum jemand daran.

Nun denken Sie an ihren Geburtstag. Erinnern Sie sich an das Datum? Sie haben wahrscheinlich ein paar Wiederholungen gebraucht, bis Sie es konnten, richtig? Aber sie hatten wahrscheinlich so viele positive Erinnerungen daran, dass Sie es sich bald merken konnten.

Also was macht den Unterschied? Ja, Sie haben recht. Wir sind wieder bei dem Punkt von vorhin: Es ist die Art, wie unser Gehirn arbeitet, das System, das Wichtiges von Unwichtigem trennt. Wenn Sie Wiederholungen nutzen, um sich eine bestimmte Information entgegen ihrer Intuition einzuprägen, aus welchem Grund auch immer, wird das unverhältnismäßig mehr Lernaufwand sein, und sie werden es mit einer hohen Wahrscheinlichkeit wieder vergessen, sobald Sie mit den Wiederholungen aufhören.

Der Punkt ist: Benutzen Sie niemals Wiederholungen um das Gefühl "sinnlose Dinge zu lernen" zu kompensieren. Wenn Sie sich an eine bestimmte Information nur schwer erinnern können, dann gehen Sie einen Schritt zurück und fragen Sie sich: "Was bedeutet es für mich?" Akzeptieren Sie niemals eine Information nur deshalb, weil Sie "müssen" - dafür gibt es keinen Grund. Finden Sie entweder einen besseren Grund, irgendeinen Sinn, eine mentale Brücke, machen sie es farbiger, verständlicher, anschaulicher, lustiger, greifbarer, sinnvoller - oder werfen Sie es weg - es ist nicht wichtig für Ihr Leben.

 

Flashcards

Dieses System wurde in den 70er Jahren vom österreichischen Schriftsteller Sebastian Leitner vorgeschlagen. Die grundlegende Idee dahinter ist folgende: Wenn wir immer eine ganze Liste mit bestimmten Informationen wiederholen, unabhängig davon, was wir uns bereits gemerkt haben, dann werden wir gelangweilt von den Fakten, die wir schon können. Wahrscheinlich legen wir die Liste zu früh weg und haben dann zu wenig Wiederholungen für die andern Informationen, für die wir mehr Wiederholungen gebraucht hätten.

flashcards box

Die Idee von Sebastian Leitner war also, diese Liste in kleine Einheiten aufzuspalten. Für jede Einheit, in unserem Fall ein Telugu Symbol, erstellen wir eine eigene Karte. Die Frage dazu kommt auf die eine Seite, die entsprechende Antwort auf die Rückseite. Jetzt bereiten wir noch einige Schachteln oder Boxen für die Kärtchen vor.

Jetzt kann es losgehen. Nehmen Sie einen kleinen Teil der Kärtchen und lesen Sie die Frage auf der Vorderseite des ersten Kärtchens. Versuchen Sie die Antwort zu finden und vergleichen Sie diese mit der Lösung auf der Rückseite des Kärtchens. Wenn die Antwort richtig war, legen Sie das Kärtchen in die zweite Box, wenn nicht in die erste. Dann nehmen Sie das zweite Kärtchen von Stapel und gehen wieder durch die gleiche Prozedur. Am Ende haben Sie also alle jene Kärtchen, für die Sie mehr Wiederholungen brauchen in der ersten Box, und alle anderen in der zweiten.

Zum Beispiel: Sie haben einen Stapel von Kärtchen mit jeweils einem Telugu Buchstaben pro Karte. Und Sie haben drei Boxen, die ich für dieses Beispiel "Gruppe 1", "Gruppe 2" und "Gruppe 3" nennen werde. Sie starten mit einer kleinen Anzahl von Kärtchen, sagen wir 5 bis 10 Kärtchen. Gehen Sie die Kärtchen durch und legen Sie alle Buchstaben, die Sie richtig erkannt haben zu Gruppe 2, alle anderen zu Gruppe 1. Dann machen Sie eine kurze Pause.

Wenn Sie von der Pause zurückkehren wiederholen Sie die Buchstaben in Gruppe 1 und befördern Sie wieder alle Buchstaben, die Sie richtig erkannt haben in Gruppe 2, alle anderen bleiben in Gruppe 1.

Wenn Ihnen die Karten in Gruppe 1 ausgehen, fügen Sie einfach 5 bis 10 neue Karten in das Spiel ein. Legen sie jene, die Sie bereits erkennen zu Gruppe 2, die anderen wieder zu Gruppe 1.

Am Ende der Übung sollte nur eine kleine Anzahl an Karten in Gruppe 1 übrig bleiben, sagen wir 5 bis 10 Kärtchen. Wenn es zu viele sind, nehmen Sie einige davon aus dem Spiel heraus. Sie können sie später wieder einfließen lassen.

Sie könnten sich vornehmen, die Karten in Gruppe 1 mehrmals am Tag zu wiederholen, und Gruppe 2 zum Beispiel jeden 2. Tag. Wenn Sie den Stapel aus Gruppe 2 aufnehmen, dann gehen Sie diese Kärtchen wieder der Reihe nach durch, aber diesmal legen Sie alle Kärtchen, die Sie korrekt erkannt haben zu Gruppe 3 (grüner Pfeil), alle anderen zurück in Gruppe 1 (roter Pfeil).

Wenn Sie diesem einfachen System folgen, dann wiederholen Sie automatisch alle Symbole, für die Sie mehr Wiederholungen brauchen, entsprechend öfter. Die anderen Symbole, die sie sich gut merken können, sammeln sich langsam in Gruppe 3 an. Sie könnten sich vornehmen, diese Gruppe zum Beispiel jeden 4. Tag zu wiederholen.

Hier sind die Grundregeln noch einmal zusammengefasst:

  • Befördern Sie Kärtchen, die sie kennen, in die nächste Gruppe (grüner Pfeil), und jene, die Sie nicht kennen, zurück in die erste Gruppe (roter Pfeil).
  • Wiederholen Sie Gruppe 1 am öftesten, Gruppe 2 seltener und Gruppe 3 noch seltener.
  • Behalten Sie nur eine kleine Anzahl von Kärtchen in Gruppe 1, etwas mehr in Gruppe 2, noch mehr in Gruppe 3.

Ich habe eine Reihe von PDF-Files zusammengestellt, mit denen Sie die Karteikärtchen leicht herstellen können. Nehmen sie dieses Set 1 zum Beispiel. Drucken Sie dieses Dokument aus, einseitig auf normales Papier. Dann falten Sie das Blatt entlang der Mittellinie, etwa so:

flashcards flashcards

Kleben Sie die Rückseite zusammen und schneiden die einzelnen Kärtchen aus.

flashcards flashcards

 

Sein Sie bereit, das alles wieder zurückzulassen

Ein Mann wollte zur Hochzeit seines besten Freundes fahren. Er zog seinen besten Anzug an und bestellte ein Taxi. Als das Taxi kam, war er völlig verblüfft. Es war ein knallroter, brandneuer Ferrari. Der Mann konnte es kaum glauben, aber es war wahr: Das war das Taxi zu der Hochzeit seines Freundes. Er stieg also ein und genoss die Fahrt. Der Chauffeur fuhr ziemlich rasant und so waren sie schon bald am Ziel. Der Mann konnte nicht aufhören, sich darüber zu wundern. Sein Freund kam vorbei und fragte, ob er nicht mitkommen wollte. Aber der Mann blieb im Auto und plauderte und plauderte, immer noch ganz fasziniert von der Technik.

Der Punkt ist: Das Auto ist ein Werkzeug um Sie an einen gewissen Punkt zu bringen. Wenn Sie dort sind, müssen Sie es zurücklassen - sonst erreichen Sie Ihr Ziel nicht. All die Methoden, die ich hier beschreiben habe, sind nichts als Werkzeuge, die Ihnen den Start erleichtern sollen. Sobald sie die Buchstaben erkennen, und anfangen Telugu selbständig zu lesen und zu schreiben, brauchen Sie diese Übungen nicht mehr zu machen. Lassen Sie sie gehen.

Sie nützen zum Beispiel heute den Smiley als Brücke um sich den Buchstaben zu merken. Vielleicht schon in wenigen Monaten sehen sie das und hören automatisch "la" in ihrem Kopf. Also lassen Sie bitte den Smiley los, die Lernkartei-Karte und all die anderen Werkzeuge - sie brauchen Sie jetzt nicht mehr. Sonst verpassen Sie vielleicht noch die Hochzeit ihres besten Freundes...

 

Die 3 Schritte um das Telugu Alphabet zu lernen

Alles, was hier bisher beschreiben wurde, kann man zum Lernen jedes Alphabets jeder Sprache verwenden. Es gibt aber einige Besonderheiten der indischen Sprachen, und damit auch des Telugu, die damit zusammenhängen, wie die Symbole gebildet werden, die eine bestimmte Reihenfolge für das Lernen nahe legen. Es macht Sinn zunächst die primäre Formen und dann die Sekundären Formen und deren Kombinationen zu lernen.

Es gibt also folgende 3 Schritte:

  • Schritt 1: Lernen der primären Formen
  • Schritt 2: Lernen der Konsonant-Vokal-Kombinationen
  • Schritt 3: Lernen der sekundären Formen der Konsonanten

Der erste Schritt ist einfach das Lernen der primären Formen. In diesem Schritt gibt es noch keine Kombinationen. Hier liegt der Fokus allein auf den primären Symbolen der Konsonanten und Vokale im Telugu Alphabet.

Sobald dieser Schritt abgeschlossen ist, werden wir mit den Kombinationen aus Konsonanten plus sekundären Formen der Vokale fortsetzen. Aus der Einführung wissen Sie bereits, dass es eine gewisse Anzahl solcher Kombinationen gibt. Der Großteil folgt einem einfachen Muster, aber es gibt auch einige Ausnahmen, die etwas mehr Aufmerksamkeit erfordern. Der zweite Schritt konzentriert sich ganz auf das Lernen dieser Kombinationen.

Im letzten Schritt werden die sekundären Formen der Konsonanten ergänzt. Es sind 36 sekundäre Symbole und die Formen sind den primären zum Großteil sehr ähnlich, aber es gibt auch hier wieder Ausnahmen. Die Kombinationen der Zeichen sind aber alle sehr systematisch.

Also, springen wir hinein und starten wir mit Schritt 1: Lernen der Primären Formen...