Der klassische Ansatz

Hier ist der klassische Weg. Er beschreibt die Art wie die meisten Sprachbücher aufgebaut sind:

  • Schritt 1: Vokabeln lernen
  • Schritt 2: Der Versuch, die Lektion zu verstehen
  • Schritt 3: Der Versuch zu sprechen oder laut vorzulesen
  • Schritt 4: Grammatikübungen

Schritt 1: Vokabeln lernen

Vokabeln lernen

Wenn man gezwungen wird Vokabeln von einer einfachen Liste zu lernen, läuft man unweigerlich in das Problem, dass man Worte lernen muss, deren Aussprache man noch nicht kennt. In der kleinen Übung, die Sie gerade gemacht haben – woher wussten Sie, wie die Worte auszusprechen sind? OK, Sie hatten eine Transliteration, und das brachte sie in die Nähe der Aussprache. Aber wie stellen Sie sicher, dass es der richtige Klang ist?

Stellen Sie sich zum Beispiel vor, Sie lernen Englisch, und Sie bekommen einen Zettel mit den Worten "knife" und "write" in die Hand. Wenn Sie zum ersten Mal mit der Sprache konfrontiert sind, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie statt [knaif] "knife" murmeln und statt [wrait] "write", also genau so, wie man es im Deutschen aussprechen würde, aber eben nicht im Englischen.

Diese Art Vokabeln zu lernen ist also nicht nur zeitaufwändig und mühsam, sondern führt darüber hinaus zu folgenden Problemen:

  1. Es wird schwierig für Sie einen Einheimischen zu verstehen, weil die Aussprache für Sie zumindest fremd sein wird, oder ganz unverständlich, und
  2. Einheimische werden Sie kaum verstehen.

Darüber hinaus ist es überaus schwierig, sich die falsche Aussprache im Nachhinein wieder abzugewöhnen und die richtige Aussprache anzutrainieren, sobald man den Fehler einmal erkannt hat. Es wäre viel einfacher und zeitsparender es gleich von Anfang an richtig zu lernen. Ich werde Ihnen später eine einfache Methode vorstellen, wie das funktionieren kann, aber lassen Sie uns zunächst die den klassischen Ansatz fertig diskutieren. Nach dem Vokabel-Lernen kommt...

Schritt 2: Der Versuch, die Lektion zu verstehen

Nachdem Sie die Vokabeln gelernt haben, bekommen Sie normalerweise einen Dialog, eine Beschreibung oder etwas Ähnliches präsentiert. Auch wenn Sie ihre Vokabeln schon gut beherrschen, haben Sie jetzt das Problem, dass Sie die Worte nur als isolierte Einheiten kennen. So wie im Deutschen haben aber in Telugu dieselben Worte je nach Zusammenhang oft unterschiedliche Bedeutungen. Woher sollen Sie wissen, wann welche Bedeutung gemeint ist? Das erzeugt den Eindruck, dass Telugu eine sehr komplexe Sprache ist, was aber in Wahrheit nicht stimmt.

Und sollten Sie die Vokabeln noch nicht richtig gelernt haben, fühlen Sie sich komplett hilflos oder frustriert. Vielleicht denken Sie dann "Telugu ist sehr schwierig zu lernen" oder "Ich habe kein Talent für Sprachen", was aber wieder nicht stimmt, da Sie ja schon eine andere Sprache, nämlich Deutsch, zumindest so gut gelernt haben, um das hier zu lesen.

Die Gefahr ist hier, dass negative Erwartungen entstehen. Diese Erwartungen haben das Potential wahr zu werden und nähren so wiederum die entsprechenden Erwartungen. Das wird 'selbst-erfüllende Prophezeiung' genannt. Es ist essentiell, dass wir uns die positiven Gefühle für die neue Sprache bewahren, es ist ein wichtiger Motor!

Schritt 3: Der Versuch zu sprechen oder laut vorzulesen

An dieser Stelle wird normalerweise von Ihnen erwartet, dass sie die Telugu-Worte direkt aussprechen, entweder im Rahmen einer Übung oder beim Vokabel-Lernen. Obwohl viele diesen Schritt als besonders 'modern' ansehen, ist er sicher nicht natürlich. Beachten Sie, dass Babys viele Monate nur zuhören, bevor sie überhaupt erst den Versuch machen, die Laute nachzusprechen. Aber wir Erwachsene erwarten von uns, dass wir das sofort können. Wie soll das funktionieren? Nun, es geht eben kaum.

Was tatsächlich passiert ist, dass wir uns nicht nur eine schlechte Aussprache antrainieren, sondern darüber hinaus auch noch Frust und negative Gefühle mit dem Sprechen von Telugu verbinden. Diese negative Einstellung zum Lernen ist der primäre Grund warum wir schlechte Resultate beim Lernen erzielen oder überhaupt aufhören Telugu zu lernen. Das kann leicht vermieden werden, wie wir bald sehen werden, aber lassen Sie uns noch vorher über den letzten Schritt im klassischen Ansatz sprechen:

Schritt 4: Grammatikübungen

In diesem Schritt werden Sie mit Grammatikregeln konfrontiert, viele Wenn-das-dann-das-Regeln, Ausnahmen, Ausnahmen von Ausnahmen und so weiter. Und auch das führt wieder schnell zu Verwirrungen.

Erlauben Sie mir eine Frage: Kennen Sie ein einziges Kind, das ein Grammatikbuch benutzte, als es seine erste Sprache lernte?

Konnten all diese Kinder trotzdem die Sprache – vielleicht Deutsch – gut lernen? Offenbar.

Sogar mit all den Regeln, den Ausnahmen, den Ausnahmen von den Ausnahmen und all den mehrfachen Bedeutungen? Wieder offenbar.

Haben Sie ein Grammatikbuch benutzt? Nein, richtig?

War das in irgendeiner Weise ein Hindernis? Haben Sie es sehr vermisst? Wahrscheinlich nicht.

Hmm... Brauchen wir überhaupt ein Grammatikbuch am Anfang?

Nun, meine lieben Leser, an diesem Punkt werden Sie vielleicht etwas skeptisch, besonders dann, wenn Sie noch nie etwas von Lernmethoden gehört haben, in denen Vokabel pauken schlicht verboten (weil kontraproduktiv) ist, und Grammatik lernen nur optional angeboten wird, eben nur dann, wenn Sie es mögen. Aber es gibt diesen Weg. Lassen Sie sich überraschen...